BMW 114i im Fahrbericht: Schwächster 1er aller Zeiten

Die Strecke folgt dem Fluss, schlenkert Richtung Wald, windet sich wieder zurück in die Breite des Tals. Dort legt sich der Morgennebel auf die Karosserie. Der Tag ist früh, die Straße leer, der BMW 114i der Schwächste von allen. Genau deshalb der Reinste. Und das kommt so: Die Turbobenziner haben uns verdorben. Mit ihrem frühen, lawinenhaften Drehmoment walzen sie Berge platt und bügeln Verschalter aus. Bei 40 km/h im sechsten Gang? Egal, der Lader schiebt den BMW 114i dennoch voran. Ein Auto mit einer Dreihundertschaft an Newtonmetern kann jeder schnell fahren. Dass der Motor eh alles rausreißt, mindert sogar das Fahrerlebnis eines so quirligen Autos wie des hinterradgetriebenen BMW 1er.
Nur 1.200 Euro Preisunterschied zum BMW 116i
Aber jetzt kurvt der BMW 114i um die Ecke und gibt uns reine Fahrfreude zurück. Ihn trennen bei einem Grundpreis von 21.900 Euro durchaus erschwingliche 1.200 Euro vom 116i mit 136 PS. Auch sonst unterscheidet er sich nicht von den stärkeren Versionen, hat ein brillantes Handling und eher weniger brillante Platzverhältnisse. Und ja, auch er hat einen Turbolader, der den 1,6-Liter-Benziner aufplustert. So erreicht der BMW 114i sein maximales Drehmoment früh, sehr früh: Schon bei 1.100 U/min hat er es zusammen. Aber nur 180 Nm - genauso viel wie ein der Dynamik bekanntlich unverdächtiger Polo Blue Motion.


Bis an den Begrenzer drehen
Deshalb reichen die Newtonmeter allein nicht aus, es braucht dazu: das Wissen - wann welcher der sechs knackig zu schaltenden Gänge der richtige ist. Die Erkenntnis - dass es auch mal nötig sein kann, den drehfreudigen Motor des BMW 114i bei 6.800 U/min fast in den Begrenzer laufen zu lassen. Dann das Talent - schnell die Kupplung zu treten und gleichzeitig den nächsten Gang nachzulegen, damit der Kraftfluss so kurz wie möglich unterbrochen wird. Das Verständnis - wie viel mehr Freude es macht, einen Berg mit wenig Leistung und viel Talent zu erklimmen als anders herum. Und schließlich die Erinnerung – daran, wie viel 100 PS vor 25 Jahren mal wert waren.
Und daran, was einen kompakten BMW eigentlich auszeichnet: Seit den Tagen des Nullzweiers sind das hochagile, fahrvergnügliche Autos, die immer etwas lässiger, schlauer und interessanter waren als die größeren oder billigeren oder stärkeren Konkurrenten, weil sie das Beste aus ihren Fähigkeiten machten. Und so tourt der BMW 114i vom Fluss aus die Berge hinauf, wirft sich begeistert in Kurven, dreht heftig, zieht ein wenig und fühlt sich trotz der sachten Fahrleistungen immer schnell an. Sportlichkeit ist keine Frage der reinen Kraft, sondern zeigt sich darin, sie clever einzusetzen. Deshalb ist der BMW 114i der perfekte kompakte BMW. 

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